20 Jahre Meditativer Tanz

Zum 20-jährigen Bestehen des Angebotes des Meditativen Tanzes in unserer Gemeinde wurde am 23. September ein kleines, schönes Fest gefeiert. Zunächst bei Kaffee und Kuchen an herbstlich geschmückten Tischen. Später bei Wein und lebendigen Gesprächen und Erinnerungen…

Karin Gerhard berichtet:

Ich habe in meinen 20-jährigen Unterlagen nachgelesen und ein paar Gedanken mitgebracht, die unsere Tanz-Treffen immer in ähnlicher Form begleitet haben. Ein kurzer Ausschnitt:

„20 Jahre tanzen wir nun miteinander und es ist immer wieder schön….

Tanz ist eben wie das Leben oder das Leben ist wie ein Tanz, immer lebendige Bewegung…

Ich habe euch einmal eine erstaunliche Tanz-Geschichte erzählt von Hans-Peter Dürr, dem Quantenphysiker, dem Wissenschaftler, der durch seine Frau zum Tanzen von Folklore- und Kreistänzen mitgenommen wurde. Er, der traumatisiert vom Hitlerdeutschland und dem Grauen des Krieges nach Amerika ging. Mit seinen 24 Jahren fühlte er sich damals uralt, schwer in der Seele und von großer Traurigkeit erfüllt.

Seine Frau Sue und das Tanzen mit ihr und anderen hat in ihm eine Wandlung bewirkt. “Ich bin ein anderer Mensch geworden” sagt er “der Tanz hat so vieles, was dem Leben dienlich ist. Er ist kommunikativ, er ist sinnlich, man freut sich, man hilft sich gegenseitig nach rechts und links mit den Schritten, man fädelt sich an unterschiedlichen Stellen im Kreis ein, all das…” Hans-Peter Dürr wurde ein begeisterter Tänzer, vor allem von Kreistänzen und tanzte noch als alter Mann bis an sein Lebensende…

Tanz ist eben wie das Leben, hat immer eine befreiende Wirkung und das Wunderbare noch darüber hinaus: er bringt uns oft auch in Berührung mit der ganz anderen Dimension, mit dem Göttlichen, mit unserer tiefsten Lebensquelle und wir fühlen uns durchströmt von einer Kraft, die mehr ist als wir selbst und uns doch innewohnend ist.

Wie Paulus sagt: “In Dir leben, bewegen wir uns und sind wir”

oder die Mystikerin Madeleine Debrel (1904 -1964) sagt: “Wir aber, wir vergessen oft die Musik Deines Geistes. Wir vergessen, dass das Leben in Deinen Armen getanzt sein will”

In diesem Sinne haben wir immer wieder hier zusammen getanzt und ein Gebet hat uns oft begleitet:

Tanzen, Gott und Du in der Mitte und den Tanz des Lebens üben -

wir tanzen auch für die, die einen Schritt nicht mehr finden können

und wir tanzen für die, denen Hände und Füße gebunden sind.

Tanzen, Gott und den Tanz der Hoffnung lernen

für uns, für die bedrohte Erde und für die bedrohten Völker -

Tanzen, Gott und Du in der Mitte und den Tanz des Lebens üben,

wir und Alle und Alles, was lebt.”

 

Dann haben wir den ganzen Nachmittag über getanzt, einen Fest-Tanz zu Beginn, dann Tänze verschiedener Völker, freies Tanzen und Wunsch-Tänze und Tänze des Friedens, in die wir alle Völker eingeschlossen haben:

Frieden ins Herz aller Menschen, Frieden der Erde und Frieden der Welt,
DONA NOBIS PACEM

———————————————————————————————-

Dann gab es noch ein paar schriftliche Stichworte der MitTänzerInnen, was Tanz und Stille für sie bedeutet, hier eine Auswahl:

- ich spüre, dass ich Teil des Ganzen bin, des Kreises, des Ortes, der Stadt, der Schöpfung. Es macht mich sehr froh und glücklich…

- Erdung und gleichzeitig Öffnung zum Göttlichen…

- meinen Rhythmus finden im Rhythmus der Musik, des Tanzes und der Gruppe, im Hier und jetzt sein

- bewegen-bewegt werden
rausfallen-wieder reinkommen
frei allein- zusammen mit Anderen
wahrnehmen außen-innen,  berührt werden – Verbundenheit

- ich gehe immer mit einer besonderen Ruhe nach Hause

- wach werden zum Leben mit Körper und Seele, dann Bewegung mit wacherem Blick und mutigerem Schritt durch den Alltag heute und morgen

- Bewegung atmen
ganz bei mir im Kreis der Gruppe
und konzentrisch darüber hin-aus

- in der “Stillen Zeit” Gott zuhören…

- die “Stille Zeit” Zeit bedeutet für mich reine Freude, Besinnung auf das Wesentliche, Kraft auch für das, was vor mir liegt. Ich gehe immer beseelt nach Hause

- man kommt nach einer Weile spürbar in seine Mitte. Der ganze Körper füllt sich mit Atem, ich fange an alles, was im Kopf so “herumschwirrt” loszulassen. (Lebens-) Freude fühle ich, die ich mit anderen teilen kann

- ich bin willkommen und finde Frieden

- es tut mir gut, einfach still zu sein

- Kraft spüren, das Herz hören, ganz da sein

- bei mir sein und trotzdem nicht allein, die Stille genießen in der hektischen Welt, mich spüren….

-Tanz und Meditation gehören für mich zusammen.
Die Stille bewegt mich – der Tanz bewegt mich…