Angedacht

Ein moderner Psalm

Psalmen sind uralte Texte, in denen Menschen ihre Erfahrungen mit Gott schildern. Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden haben während ihres Konfi-Wochenendes einen modernen Psalm geschrieben. Er wurde im Vorstellungsgottesdienst im Frühjahr 2013 vorgelesen:

“Manchmal ist Gott wie das Internet.

Das Internet ist unvorstellbar groß wie du.

Immer wieder entdecke ich neue Seiten von Dir.

Du bist für jeden offen.

Du schläfst nie.

Man kann immer mit dir reden.

Deine Firewall schützt uns vor allem Bösem.

Dir gehört der größte Server.

Du bist der Administrator von allen.

Wie Google findest du jeden. Wie Facebook kennst du jeden. Und wie Twitter followst du jeden.

Du bist zwar oft wie das Internet, Gott,

allerdings können wir dich zum Glück ohne das Internet erreichen.

Ehre sei Gott!”

Mehr zum Konfi-Wochenende lesen Sie hier.

 

Geistliche Gedanken zum neuen Logo

Wir sind evangelische Gemeinde! Nicht Sportverein oder politische Partei, auch nicht Superstar oder Papst. Wir sind evangelische Gemeinde! Ein Logo will daher nicht nur irgendein Symbol im Interesse des einheitlichen Auftretens in der Öffentlichkeit sein, sondern es will in bild- und symbolhafter Sprache etwas über unser Selbstverständnis, unsere Grundlage und unsere Gestaltung als evangelische Gemeinde aussagen.

Jetzt hat sich die Arbeitsgruppe “Öffentlichkeitsarbeit” und dann das Presbyterium also für ein Logo entschieden. Es wird uns in Zukunft immer wieder begegnen, auf Plakaten und Briefköpfen, im Gemeindebrief und auf der homepage.

Es war ein langer Prozess, mit verschiedenen Herangehensweisen, Ideen und Entwürfen. Ich persönlich halte das Logo, für das sich alle Beteiligten am Ende sehr einmütig entschieden, für eine ausgezeichnete Wahl.

Auf welch elementare Weise das Logo entstanden ist, wird auf der Seite Wir-über-uns -> Logo in einer angehängten pdf erläutert: zwei Bezirke mit zwei Kirchen, dazwischen das Siepental, verbinden sich durch zwei Hälften eines Kreuzes mit einer geschwungenen Linie. Beide Kreuzhälften zusammen ergeben erst das Kreuz, die Linie und die Asymmetrie erzeugen Bewegung und Lebendigkeit.

Was steckt da nicht alles drin! Ein paar wenige Stichworte möchte ich erwähnen:

- Da ist das Kreuz-Symbol, also das Symbol, das schlechthin für christlichen Glauben steht. Gäbe es Kreuz und Auferstehung nicht, der christliche Glaube und christliche Kirche hätten nicht ihr eigentliches Zentrum: die Liebe Gottes, die sich solidarisiert mit dem Gelingen und Scheitern, den Freuden und den Leiden des Menschen, und die sich als stärker erweist als aller Tod und alle Todesmächte und so Menschen zur Hoffnung auf eine bessere Welt befreit.

- Da sind die beiden unterschiedlichen Kreuzhälften, die erst zusammen das Kreuz ergeben. Mir fällt spontan das schöne Bild aus dem 1. Korintherbrief ein: der eine Leib mit den vielen Gliedern. Erst zusammen bildet sich das, was wir Gemeinde nennen, eine Gemeinschaft von Verschiedenen, in der niemand wichtiger ist als andere. Wenn ein Glied leidet, dann leiden alle mit, denn wenn ein Teil fehlt, ist das ganze nicht zu erkennen. Kein Mensch ist unwichtig oder zweitrangig, jede und jeder gehört mit seinen eigenen Glaubens- (und Zweifel-) Erfahrungen dazu.

- Kirche und Gemeinde sind nie etwas Statisches. Die geschwungene Linie erinnert natürlich auch an einen Fluss; Gemeinde bleibt im Fluss, das heißt, dass Gemeinde sich immer wieder und immer weiter mit neuen persönlichen und gesellschaftlichen Veränderungen entwickeln wird, nichts bleibt für immer, außer dem immer neuen Versuch, die Liebe Gottes zu verkünden, Spuren auf dem Weg zum Reich Gottes miteinander zu suchen und zu gestalten (ecclesia semper reformanda).

- So bleibt Kirche und Gemeinde auch immer offen, Gemeinde ist kein “inner circle” oder eine geschlossene Gruppe von insidern. Das offene Kreuz, die offene Fläche auf der linken Seite (vielleicht besonders bei der vereinfachten Logo-Form zu erkennen) verstärkt den Gedanken des Leitbilds unserer Gemeinde, dass jede und jeder in Gottes Gasthaus eingeladen ist: das gilt für die, die sich aktiv engagieren, genauso wie für die, die ihre Gemeinde nur sporadisch in Anspruch nehmen, das gilt für Menschen des Stadtteils, die eine punktuelle Orientierung suchen, genau so wie für Menschen aus aller Welt, die mit ihren (auch religiösen) Erfahrungen uns bereichern.

- Grün ist die Hoffnung, so sagt der Volksmund. Und die Hoffnung auf das Gelingen unseres Gemeinde-Seins, aber auch die Hoffnung, dass Gott seine Gemeinde begleitet und immer wieder neu aufbaut, auch wenn wir an Grenzen stoßen, ist sicher ein prägendes Motiv für unsere Gemeinde. Liturgisch steht grün für die Nach-Trinitatiszeit, also die vielen Sonntage zwischen Pfingsten und Advent, die scheinbar kein besonderes Fest beinhalten. Gemeinde lebt vom und im Alltag. Für das Tun des Alltäglichen, für das Gestalten des Lebens in den einfachen Dingen, den kleinen Schritten zu einem friedlichen, achtsamen und gerechten Miteinander-Leben, auch dafür steht die Farbe unseres Logos.

Viele andere Gedanken und Bilder können uns beim Betrachten des Logos einfallen. Ich habe versucht ein paar Motive aufzuzählen. Möge auf unserem weiteren gemeinsamen Gestalten der evangelischen Kirchengemeinde Essen-Bergerhausen (auch im Sinne des neuen Logos) Gottes Segen liegen.

Ihr Wolfgang Blöcker