OIKO Credit – eine nachhaltige Geldanlage

OIKO Credit – eine nachhaltige Geldanlage

Trotz der finanziellen Engpässe, die ja auch unsere Gemeinde Bergerhausen zu weitreichenden Veränderungen gezwungen hat, verfügen die Kirchengemeinden zum Teil noch über nennenswerte Rücklagen; auch unsere Gemeinde hat solche Rücklagen. Das sind zum größten Teil zweckgebundene Gelder, die wir mal als Spende oder Zuweisung erhalten haben. Diese Gelder dürfen wir nur für den entsprechenden Zweck ausgeben, so z.B. für die Kirchenmusik, die Altenarbeit, manche Baurücklagen oder für die Jugendarbeit u.v.m.. Diese Gelder sind auf unseren Konten angelegt, um sie in dem Moment, wenn sie in dem jeweiligen Arbeitsbereich gebraucht werden, abheben und einsetzen zu können.

Eine immer wieder auch gesellschaftlich diskutierte Frage ist, wie man eigentlich Gelder anlegen kann, so dass sie „nachhaltig‟ wirken können; das meint, dass es nicht in erster Linie um die Höhe der Verzinsung geht, sondern vielmehr darum, dass das Geld nicht in hochriskante Spekulationsgeschäfte oder Umwelt- und Frieden-gefährdende Industrie angelegt wird, sondern dass mit dem Geld schöpfungserhaltendes, möglichst gerechtes und friedenstiftendes Engagement unterstützt wird. Hier nun ist Oikocredit eine mögliche Variante, die wir gerne einmal vorstellen wollen. Oikocredit ist keine Bank, sondern eine Genossenschaft mit Hauptsitz in den Niederlanden. Das Ziel der Genossenschaft ist es, (Kleinst-) Unternehmern in Entwicklungsländern zu helfen, sich selbst zu helfen. Das geschieht dadurch, dass man ihnen Zugang zu Kapital gewährt, um damit etwas Eigenes auf die Beine stellen zu können. Der klassische Weg über eine Bank ist hier meist versperrt, so dass Oikocredit ins Spiel kommt. Es geht darum, Menschen nicht einfach mal eben eine Spende zukommen zu lassen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und aus eigener Kraft durch ein Gewerbe zu einer dauerhaften Einkommensquelle für den Lebensunterhalt zu kommen.

Derzeit gibt es mehr als 50.000 Anleger, durch die Oikocredit bislang rund 1 Milliarde Euro an Investorengeldern einsammeln konnte. Nach eigenen Angaben wurde seit der Gründung 1975 mehr als 37 Millionen Menschen in 70 Ländern (überwiegend Asien und Latein-Amerika) geholfen. Den Löwenanteil der Tätigkeiten macht die Vergabe von „Mikrokrediten‟ aus. Dabei vergibt Oikocredit die Kleinstkredite nicht selbst, sondern arbeitet mit Mikrofinanzierungsinstituten vor Ort zusammen, die die jeweiligen spezifischen Situationen am besten beurteilen und die Kreditnehmer begleiten können.

Wenn man sich bei Oikocredit beteiligen möchte, dann wendet man sich direkt an die Institution selber und wird Mitglied der Genossenschaft. Das heißt, man erwirbt einen Anteil am Eigenkapital (1 Anteil kostet 200,– Euro) und wird dadurch zu einer Art Miteigentümer mit Stimmrecht – und allem was dazugehört, denn Eigenkapital zu besitzen heißt immer auch im vollen Risiko zu sein. Naturgemäß gibt es keine Einlagensicherung, die greifen könnte. Zwar operiert Oikocredit sehr seriös und hatte bisher auch keinerlei Skandale, aber dennoch sollte man sich dessen bewusst sein, wenn man Anteile erwirbt. Mit dieser Tatsache geht die Genossenschaft auch selbst sehr offen um und weist selbst darauf hin, dass man nicht all sein Erspartes blindlings investieren sollte.
Oikocredit wird natürlich jährlich von Wirtschaftsprüfern durchleuchtet und geprüft. Auch geht die Genossenschaft sehr offen mit ihren Beteiligungen um und ist sich bewusst, dass Transparenz ein hohes Gut für sie darstellt. Denn mit dem Anspruch, eine sozial nachhaltige Geldanlage zu ermöglichen muss man auch den Anforderungen seitens der Anleger gerecht werden. Daher veröffentlicht die Genossenschaft selbst regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte und interessiert sich auch für die gesellschaftlichen Auswirkungen von den gewährten Krediten.

Manche Privatpersonen und Institutionen sehen Oikocredit als eine gute Möglichkeit, um einen Teil des Geldes, das man anlegen möchte, in nachhaltige, umweltgerechte und fair-wirtschaftende Projekte zu investieren – auch in dem Wissen, dabei nicht die höchste Rendite zu erzielen und ein gewisses Einlage-Risiko einzugehen. Unsere ev. Kirchengemeinde hat den größten Teil der eigenen Rücklagen in die Sammelverwaltung aller gemeindlichen Rücklagen im Kirchenkreis eingebunden. Und der Kirchenkreis Essen, der alle gemeindlichen Rücklagen sowohl mündelsicher als auch nach ethischen Kriterien anlegen muss, hat seinerseits für immerhin über 120.000,– Euro Oikocredit-Anteile erworben. Ein verantwortliches und gutes Zeichen von nachhaltiger Wirtschafts- und Entwicklungspolitik.

Wolfgang Blöcker