Verwurzelt mit der Erde –
Geöffnet zum Himmel –
Gesammelt in der Mitte –
Verbunden im Kreis –
Achtsame Schritte –
getanztes Gebet

Um was geht es beim Meditativen Tanzen?

Meditatives Tanzen ist im Tiefsten eine Form des Gebetes. Gebet, in das der ganze Körper einbezogen ist. Es ist still und kraftvoll, voll Lebendigkeit, Sinnlichkeit, voll Innigkeit und Verbundenheit mit sich selbst und mit den Mittanzenden. Und voll Offenheit und Hingabe nach innen und außen in die Wirklichkeit Gottes.
Wir tanzen mit einfachen Schritten und Gebärden. Sie führen zu innerer Ruhe und Achtsamkeit mit uns selbst und den Anderen.
Wir tanzen auch lebhaftere Tänze, die uns ein Gefühl von Lebendigkeit geben und Ausdruck von Freude, Lob und Dank sind.
Poetische und geistliche Worte begleiten das Tanzen. Es ist eine gute Erfahrung, wenn Worte nicht nur Worte bleiben, sondern leiblich-sinnlich erlebt werden und tanzend an Tiefe gewinnen.
Als begleitende Musik verwende ich sakrale, klassische und moderne Musik, Folklore verschiedener Länder, Taizé-Gesänge, Weltmusik…

Und so können Sie sich den Ablauf eines Tanztreffens vorstellen:
Ich beginne immer mit einer gedanklichen Einstimmung, danach ist eine kurze Zeit für eine Schweigemeditation (Kontemplation). Aus der Stille heraus beginnen wir dann mit den Tänzen und Gebetsgebärden.
Tänze und Gebärden haben meistens vorgegebene Abläufe, ab und an tanzen wir auch im eigenen Rhythmus und auch die Gebetsgebärden können in Stille in eigener Zeit und eigenem Empfinden durchgeführt werden.
Ruhigere Tänze wechseln mit lebhafteren Tänzen, so dass neben intensiver Stille freudvolle und beschwingte Bewegungen helfen, Anspannungen zu lösen und zu einem Gefühl von Entlastung und Befreiung zu kommen.
Der Ausklang führt uns im Kreis verbunden wieder in die Stille zurück.

 

Meditativer Tanz mit Karin Gerhard

 

+++++++++Aktuelles++++++++++

Interview mit Karin Gerhard:

Seit vielen Jahren bietet Bewegungspädagogin Karin Gerhard in unserer Gemeinde den Meditativen Tanz an. In einem ausführlichen Interview berichtet sie davon, welche Bedeutung die Wahrnehmung des eigenen Körpers hat und wie das Innehalten und die Stille den Weg in den kontemplativen Raum ebnen können:

Ein Sprichwort lautet „Wer rastet, der rostet“. Warum ist körperliche Bewegung so wichtig im Leben?

Karin Gerhard: „Wer rastet, der rostet“ heißt zunächst einmal, dass etwas verloren geht, wenn man sich nicht in Bewegung hält. Bewegung hat etwas mit Lebendigkeit und mit Gesundheit zu tun und auch mit Kreativität, weil man die vielen Möglichkeiten sich zu bewegen mehr und mehr entdeckt. Sich bewegen hat auch mit Freiheit zu tun, wenn man lernt, sich in der Bewegung als ganzer Mensch auszudrücken und nicht nur Übungen absolviert.

Wer sich bewegt, bleibt körperlich beweglich. Und geistig auch, oder?

Ja, da besteht ein großer Zusammenhang, den wir oft nicht richtig wahrnehmen. Wenn ich mich bewege und nachspüre, merke ich, wie viel Resonanz in den Körper hineinkommt, etwa in die Atmung und die Belebung der Muskulatur. Aber man hat auch das Gefühl, der Geist wird wach und aufmerksam. Die Seele ist angesprochen, mal fühlt man sich beschwingt, mal ruhig.

Deine Angebote in der Gemeinde – etwa der Meditative Tanz oder das Körpergebet – haben viel mit Bewegung zu tun. Was ist dir dabei besonders wichtig?

Der Meditative Tanz und das Körpergebet hat sich in meinem Leben zunächst vor allem aus meiner körperlichen Bewegungserfahrung entwickelt und sich dann mehr und mehr hinein in den Zusammenhang mit dem seelisch-geistigen und geistlichen Raum geöffnet. Paulus hat gesagt: „Der Körper ist der Tempel des Heiligen Geistes.“ Mir geht es darum zu erkennen, dass Bewegung auch mit einer tiefen Bewusstseinsdimension meiner selbst zu tun hat und es nicht nur um den Körper mit seinen Muskeln, seiner Atmung und allem anderen, was bei Bewegung eine Rolle spielt, geht. Es geht weit darüber hinaus. Wenn ich die Wahrnehmung – das Empfinden, das Spüren, das Lauschen, das Hinschauen in der Tiefe – mehr einschließe in die Bewegung, dann komme ich auch in einen anderen Erfahrungsraum. Ich spüre in der Tiefe eine Verbindung bis in die andere, göttliche Dimension hinein. Meine Wahrnehmung kann ich immer mehr schulen und immer genauer spüren. Beim Meditativen Tanz braucht es die Ruhe, die Stille, die Zeit, eine Bewegung mit zu erleben und nicht alles nur schnell zu machen. Es braucht das Innehalten. Aus der Ruhe entsteht dann die Bewegung und klingt in der Ruhe wieder aus. Aus der Ruhe entsteht ebenso die Beschwingtheit des Tanzens.

Der Kreis hat beim Meditativen Tanz eine große Bedeutung. Welche?

Das Zentrum ist immer geschmückt mit Blumen und mit Kerzen und ist ein Symbol für die göttliche Gegenwart. Wenn man im Kreis auf die Mitte zugeht, öffnet man sich dieser Gegenwart, die immer da ist. Und wenn man sich wieder entfernt aus der Mitte, bleibt man trotzdem verbunden. Diese Verbundenheit geht durch den ganzen Kreis, denn wir tragen das Zentrum auch in uns selbst. Wir können uns über die Hände verbinden und über dieses tiefe Bewusstsein. Das Meditative Tanzen hat immer mit dieser göttlichen Wirklichkeit zu tun, ihr kann man sich in jedem Tanz-Schritt neu öffnen.

Wie war deine Entwicklung hin zum Meditativen Tanz?

Ich habe eine Ausbildung als Bewegungspädagogin nach Dore Jacobs. Die Wahrnehmung des Körpers gehörte dabei zu den wichtigsten Dingen. Es ging darum, was Wahrnehmung bewirkt, wenn sie in der Bewegung mehr Bedeutung hat. Ich bin damals berührt worden von dieser anderen Sichtweise. Bewegung hat mich dadurch viel mehr berührt in meinem seelischen Sein. Mir wurde so viel bewusster, wie es mir seelisch geht und was in mir vorgeht, auch in meiner Gedankenwelt. Ich habe dann gemeinsam mit einer Therapeutin untersucht, wie die Körperarbeit in der Psychotherapie wirksam werden kann. So habe ich den therapeutischen Aspekt von heilsamer Bewegung in der Seele erforscht und deren Zusammenhang mit unserem Denken. Schließlich kam ich zur nächsten Dimension, dem Innersten. Ich bin mit der Meditation in Berührung gekommen und habe ein Gespür dafür entwickelt, dass mehr in uns wohnt, als wir normalerweise wahrnehmen. Wenn wir von Gott sprechen, meinen wir meist den Gott außerhalb unserer selbst. Es gibt aber eine Dimension, wo Göttliches erfahrbar wird in uns. Ich habe schließlich eine Ausbildung gemacht zum Meditativ-Sakralen Tanz, bei der das Körpergebet eingebunden war. Als ich dann noch tiefer erfuhr, was Innehalten und Stille bedeutet, bin ich in den kontemplativen Raum mehr und mehr hineingewachsen und von dort in ein freieres Fühlen, Denken und Handeln.

Muss man sich viel Zeit nehmen, um an diesen Punkt zu kommen? Hast du einen Ratschlag, wie man den spirituellen Zustand der Meditation oder Kontemplation erreichen kann?

Man muss sich klarmachen, dass es ein Prozess ist. Es ist ein Weg der Wahrnehmung und des Spürens und der bringt mich langsam auf eine andere Ebene. Das kann ich einüben. Die Kontemplation ist ein Gebet ohne Worte, das man jeden Morgen oder Abend betet. Man kann die Stille jeden Tag in sein Leben hineinholen. Man kann sich Zeit geben, still zu werden, sich der Gegenwart Gottes ohne Worte zu öffnen und zu schauen, was geschieht. Es heißt für uns oft auch, dass wir bereit sein müssen, uns etwas Ungewohntem zu öffnen. Sich der Stille ohne Worte zu widmen, ist uns ja oft fremd.

Welche Rückmeldung hast du von Teilnehmerinnen dazu, was diese Erfahrung angeht?

Ich höre häufiger, dass Menschen sagen: Wenn ich auf diese Weise, sei es mit dem Tanz, dem Körpergebet oder der Kontemplation, wahrnehme, kann ich mich wieder mit dem, was über Gott erzählt wird, befreunden. In der Gruppe sind oft Menschen, die eher auf der Suche sind, als Menschen, die mit einem festen Glauben unterwegs sind. Viele fühlen sich berührt, wenn der Körper als ganzer Leib, d.h. mit seiner seelisch-geistigen Ganzheit eingebunden und damit auch mit der göttlichen Wirklichkeit verbunden ist. Manche fühlen sich auch in der Stille gut, weil endlich Frieden im eigenen Innern herrscht und die Unruhe des Geistes weg ist. Auch mit Gebärden zu beten, ist eine enorm tiefe Erfahrung, wenn man sich darauf einlässt.

Und was erfahren die Menschen, die schon sehr lange dabei sind?

Bei ihnen ist eine tiefe Erfahrung möglich. Die Erfahrung, was innerer Frieden in uns bedeutet. Es ist dieser tiefe Friede, der uns in Gott ruhen und aus Gott handeln lässt. „In Dir leben, bewegen wir uns und sind wir.“ Dieses Paulus-Wort drückt gut aus, was in der Kontemplation (Gebet des Schweigens), dem Körpergebet und dem Tanz lebendige, ganz persönliche Erfahrung werden kann und dann auch unseren Alltag umfasst.

Interview: Katrin Martens

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Meditativer Tanz und Zeit der Stille,
Bewegung und Ruhe

Tanz und Stille, Bewegung und Ruhe sind zusammengehörig, obwohl sie gegensätzlich sind. Sie sind Polaritäten, die einander befruchten, wenn wir sie beide in uns lebendig werden lassen. „Der Mensch braucht beides, Fühlung nach innen und Fühlung nach außen, und das nicht nacheinander, sondern gleichzeitig“ (Dore Jacobs, Bewegungspädagogin)

Bei unseren Treffen wird jeweils der Schwerpunkt stärker auf Tanz und Bewegung oder auf Stille und Ruhe liegen. Und besonders auf deren Zusammenklang.

„Zur Ruhe kommen, wenn es angemessen ist, und sich bewegen, wenn die Zeit für Bewegung gekommen ist. Wenn solche Art Ruhe und Bewegung zur rechten Zeit geschehen, wird der Weg im Licht erstrahlen.“ (aus dem I Ging, chinesisches Weisheitsbuch)


4. März 2021

Stille – Meditation:

Diese Kontemplation (Stille-Meditation) ist für Euch zum alltäglichen Üben gedacht.

Regelmäßig geübt kann sie in diesen Pandemie-Zeiten (aber auch immer) hilfreich sein, sich nicht zu sehr von Sorgen, Ängsten und Grübeleien bestimmen zu lassen, sondern Offenheit, Geduld und Vertrauen zu bewahren.

Es braucht nur einmal am Tag  (oder zweimal, wenns geht) einen ruhigen Rückzugs-Ort , 15-20 Minuten sind gut. (kann auch nachts sein oder morgens ganz früh)

Wenn tägliches Üben nicht möglich ist –  ab und zu ist auch wirksam.

Anleitung zur Stille – Meditation:

  • Aufgerichtet sitzen und sich spüren:

Kontakt der Füße zur Erde, aufgerichtet von den Sitzbeinhöckern bis zum Kopf und darüber hinaus, sich ganz spüren ausgespannt zwischen Erde und Himmel.

Sich sammeln und ruhen im Beckenzentrum. In der Mitte.

  • nach innen spüren zum Atem:

die Atembewegung mit dem Bewusstsein begleiten und spüren, dass der Atem von selbst geschieht : Der Atem kommt, der Atem geht und wir warten ( in der Pause nach dem Ausatmen) bis er von selber wiederkommt . Die Atembewegung und Atemruhe besonders im Beckenraum wahrnehmen: Grundrhythmus des Lebens

  • spüren nach innen und nach aussen:

nach Innen spüren und dann über die Haut  in den Aussenraum spüren, in alle Richtungen  die Weite des Raumes wahrnehmen , sich selbst in den Raum hinein öffnen und weiten. Verbunden bleiben mit dem Innenraum und dem Atem

  • auf die Stille horchen

in den Raum hinein auf die Stille horchen, sie spüren, dabei der Weite, der Offenheit und dem Atem verbunden bleiben. Gegenwärtig bleiben in jedem Atemzug.

  • Die „Stille hinter der Stille“ erspüren

Alle Zustände, alle Gedanken, Empfindungen, Fragen…, die in der Stille auftauchen, wahrnehmen, sich aber nicht dabei aufhalten und darüber nachdenken oder bewerten oder Ähnliches, sondern durch die Gedanken hindurch die dahinterliegende Stille wahrnehmen und ihr die ganze Wachheit und Zuwendung geben.  Mit jedem Atemzug immer wieder neu. („Anfängergeist“) Die Stille ist stärker als unsere Gedankenwelt.

Wir begleiten die Stille der Meditation mit der Vorstellung , uns  in jedem Atemzug der Gegenwart Gottes /des Göttlichen zu öffnen: „Du bist der Atem meines Atems“

Atem, Offenheit, Weite und Stille lassen sich  nicht auf irgendeine Weise herstellen, sondern sie brauchen  die innere Einstellung des loslassens und zulassens, damit sie geschehen können. Das Einzige , was wir während der Meditation tun ist darauf zu achten, dass wir offen,wach und präsent bleiben in jedem Moment, in jedem Atemzug. Und immer zu dieser Wachheit zurückkehren , wenn uns z.B., Gedanken, Empfindungen oder irgendwelche Zustände davontragen wollen. Auch Erwartungen, bestimmten Vorstellungen (auch den frommen!) oder Wünschen zuviel  Aufmerksamkeit zu geben, trägt uns aus der Tiefe der Stille hinaus in die Ablenkung auf andere Dinge.

Johannes Tauler( ca.1300 – 1361 ) , Dominikaner,Theologe und Mystiker des Mittelalters  ( kannte Meister Eckhart und Heinrich Seuse, beide Dominikaner und Mystiker) sagt dazu:

„…..Der Mensch lasse die Bilder der Dinge ganz und gar fahren und mache und halte seinen Tempel leer. Denn wäre der Tempel entleert und wären die Phantasien, die den Tempel besetzt halten , draussen, so könntest du ein Gotteshaus werden und nicht eher, was du auch tust. Und so hättest du den Frieden deines Herzens und Freude….“

In der Stille – Meditation geht es also um das hineinkommen in die Leere.  Das wird oft missverstanden. Gemeint ist hier nicht die innere Leere, die Angst auslöst, weil wir in ihr Unlebendigkeit, Sinnlosigkeit oder Einsamkeit erfahren. Es ist vielmehr die Leere, die als Fülle oder Erfüllt-sein erlebt wird, weil sie frei ist von manchen Ego-Verwicklungen und Luft gibt für den heiligen Raum, in dem Gott in uns wohnt, dem Raum der Lebensfülle, der Liebe, der Inspiration und Tatkraft.

———————————————————————————————————————-

Information zum Lockdown im Januar und Februar 2021

Liebe Interessierte an den Angeboten „Meditativer Tanz“ und „Zeiten der Stille“,

lang ist es nun her, dass ich zum Tanzen, Körpergebet und zur Kontemplation einladen konnte. Unsere lebendigen Treffen vermisse ich sehr. Für die nähere Zukunft gibt es leider noch keine Perspektive.

Aber – hier auf der Homepage stelle ich regelmäßig die Termine für neue Angebote ein und solange wir uns nicht treffen können, wird es hier auch immer wieder besinnliche Texte und kurze Anleitungen zur Meditation geben.

Heute soll euch die chassidische Geschichte vom tanzenden Rabbi an unsere Treffen erinnern und euch verlocken, ab und zu auf diese Weise zuhause zu tanzen, zu improvisieren, sich ganz den inneren Impulsen zu überlassen, so dass das Tanzen wie von selbst geschieht. ES tanzt , nicht so sehr ICH tanze. Das ist nicht nurwohltuend, es wirkt befreiend, ordnend und belebend auf uns. Es ist Aufatmen und Durchatmen.“ Du Atem aus der tiefsten Stille, durchwehe sanft der Seele Grund “ (Tersteegen)

DER TANZENDE RABBI –
Eine chassidische Geschichte

Die Juden einer kleinen Stadt in Russland erwarteten ungeduldig die Ankunft einesRabbi. Das kam nicht oft vor, und deshalb dachten sie lange über die Fragen nach,die sie dem heiligen Mann stellen wollten.

Als er schliesslich kam, und sie mit ihm in der großen Halle der Stadt zusammentrafen, konnte er die Spannung spüren, mit der sie seine Antworten auf ihre Fragen erwarteten.

Zuerst sagte er nichts, er blickte ihnen nur in die Augen und summte eine schwermütige Melodie. Bald begannen alle zu summen. Er fing an zu singen, und alle sangen mit ihm. Er wiegte seinen Körper und tanzte mit feierlich gemessenen Schritten. Die Gemeinde folgte seinem Beispiel. Bald waren sie so sehr von dem Tanz gefangen, so sehr in die Bewegungen vertieft, dass sie auf nichts anderes mehr achteten. Auf diese Weise wurde jeder in der Menge wieder ganz, wurde von der inneren Zersplitterung befreit, die uns von der Wahrheit fernhält.

Fast eine Stunde verging, ehe der Tanz langsam aufhörte. Die Spannung in ihrem Inneren war gewichen, und jeder verharrte in dem schweigenden Frieden, der den Raum erfüllte. Dann sagte der Rabbi die einzigen Worte, die an jenem Abend über seine Lippen kamen:„Ich hoffe, ich habe eure Fragen beantwortet“

In diesem Sinne grüße ich euch von Herzen und hoffe, euch bald im Tanz und in der Stille wieder zu begegnen.

Karin Gerhard

 ________________________________________________________

20 Jahre Meditativer Tanz

Ein kleines schönes Fest haben wir gefeiert. Zunächst bei Kaffee und Kuchen an herbstlich geschmückten Tischen. Später bei Wein und lebendigen Gespräch und Erinnerungen…

Ich habe in meinen 20-jährigen Unterlagen nachgelesen und ein paar Gedanken mitgebracht, die unsere Tanz-Treffen immer in ähnlicher Form begleitet haben. Ein kurzer Ausschnitt:

„20 Jahre tanzen wir nun miteinander und es ist immer wieder schön….

Tanz ist eben wie das Leben oder das Leben ist wie ein Tanz, immer lebendige Bewegung…

Ich habe euch einmal eine erstaunliche Tanz-Geschichte erzählt von Hans-Peter Dürr, dem Quantenphysiker, dem Wissenschaftler, der durch seine Frau zum Tanzen von Folklore- und Kreistänzen mitgenommen wurde. Er, der traumatisiert vom Hitlerdeutschland und dem Grauen des Krieges nach Amerika ging. Mit seinen 24 Jahren fühlte er sich damals uralt, schwer in der Seele und von großer Traurigkeit erfüllt.

Seine Frau Sue und das Tanzen mit ihr und anderen hat in ihm eine Wandlung bewirkt. „Ich bin ein anderer Mensch geworden“ sagt er „der Tanz hat so Vieles, was dem Leben dienlich ist. Er ist kommunikativ, er ist sinnlich, man freut sich, man hilft sich gegenseitig nach rechts und links mit den Schritten, man fädelt sich an unterschiedlichen Stellen im Kreis ein, all das…“ Hans-Peter Dürr wurde ein begeisterter Tänzer, vor allem von Kreistänzen und tanzte noch als alter Mann bis an sein Lebensende…

Tanz ist eben wie das Leben, hat immer eine befreiende Wirkung und das Wunderbare noch darüber hinaus: er bringt uns oft auch in Berührung mit der ganz anderen Dimension, mit dem Göttlichen, mit unserer tiefsten Lebensquelle und wir fühlen uns durchströmt von einer Kraft, die mehr ist als wir selbst und uns doch innewohnend ist.

Wie Paulus sagt: „In Dir leben, bewegen wir uns und sind wir“

oder die Mystikerin Madeleine Debrel (1904 -1964) sagt: „Wir aber, wir vergessen oft die Musik Deines Geistes. Wir vergessen, dass das Leben in Deinen Armen getanzt sein will“

In diesem Sinne haben wir immer wieder hier zusammen getanzt und ein Gebet hat uns oft begleitet:

Tanzen, Gott und Du in der Mitte und den Tanz des Lebens üben –

wir tanzen auch für die, die einen Schritt nicht mehr finden können

und wir tanzen für die, denen Hände und Füße gebunden sind.

Tanzen, Gott und den Tanz der Hoffnung lernen

für uns, für die bedrohte Erde und für die bedrohten Völker –

Tanzen, Gott und Du in der Mitte und den Tanz des Lebens üben,

wir und Alle und Alles, was lebt.“

 

Dann haben wir den ganzen Nachmittag über getanzt, einen Fest-Tanz zu Beginn, dann Tänze verschiedener Völker, freies Tanzen und Wunsch-Tänze und Tänze des Friedens, in die wir alle Völker eingeschlossen haben:

Frieden ins Herz aller Menschen, Frieden der Erde und Frieden der Welt,
DONA NOBIS PACEM

———————————————————————————————-

und dann gab es noch ein paar schriftliche Stichworte der MitTänzerInnen, was Tanz und Stille für sie bedeutet, hier eine Auswahl:

– ich spüre, dass ich Teil des Ganzen bin, des Kreises, des Ortes, der Stadt, der Schöpfung. Es macht mich sehr froh und glücklich…

– Erdung und gleichzeitig Öffnung zum Göttlichen…

– meinen Rhythmus finden im Rhythmus der Musik, des Tanzes und der Gruppe, im Hier und jetzt sein

– bewegen-bewegt werden
rausfallen-wieder reinkommen
frei allein- zusammen mit Anderen
wahrnehmen außen-innen,  berührt werden – Verbundenheit

– ich gehe immer mit einer besonderen Ruhe nach Hause

– wach werden zum Leben mit Körper und Seele, dann Bewegung mit wacherem Blick und mutigerem Schritt durch den Alltag heute und morgen

– Bewegung atmen
ganz bei mir im Kreis der Gruppe
und konzentrisch darüber hin-aus

– in der „Stillen Zeit“ Gott zuhören…

– die „Stille Zeit“ Zeit bedeutet für mich reine Freude, Besinnung auf das Wesentliche, Kraft auch für das, was vor mir liegt. Ich gehe immer beseelt nach Hause

– man kommt nach einer Weile spürbar in seine Mitte. Der ganze Körper füllt sich mit Atem, ich fange an alles, was im Kopf so „herumschwirrt“ loszulassen. (Lebens-) Freude fühle ich, die ich mit anderen teilen kann

– ich bin willkommen und finde Frieden

– es tut mir gut, einfach still zu sein

– Kraft spüren, das Herz hören, ganz da sein

– bei mir sein und trotzdem nicht allein, die Stille genießen in der hektischen Welt, mich spüren….

-Tanz und Meditation gehören für mich zusammen.
Die Stille bewegt mich – der Tanz bewegt mich…

 

 

Gebetsgebärden/Körpergebet                                    

Mit diesem Büchlein, das eine Sammlung von praktischen Anregungen beinhaltet, möchte ich Impulse geben, das oft vergessene Gebet mit dem ganzen Körper wieder neu zu versuchen.

Es führt in eine ganz eigene Intensität unseres Gebetes, wenn wir uns mit unserem ganzen Leib darin ausdrücken. Wenn wir uns in einer Gebärde mit unserem ganzen Sein, mit Körper, Seele und Geist der göttlichen Wirklichkeit zuwenden und hingeben.

Das Büchlein hat 48 Seiten mit 14 genau beschriebenen Gebetsgebärden/Körpergebeten. Zu jedem Gebet gehört ein lyrischer oder mystischer Text, der den inneren Gehalt des jeweiligen Gebetes widerspiegelt. Es sind auch kurze Gebetstexte, geistliche Lieder und Anregungen für begleitende Musik angegeben. Mit den kontemplativen Gebetsgebärden und der damit einhergehenden Offenheit und Hingabe können wir Worte, Lieder und Musik tiefer in uns wirken lassen, sie uns einverleiben und dadurch mehr durchdrungen werden von dem, was wir sprechen, singen oder hören.

Gebetsgebärden sind vor allem ein Weg des kontemplativen Gebetes. Kontemplatives Gebet ist das Gebet des Schweigens, das Gebet ohne Worte. Es geht um ein Leer-werden von Worten, von bestimmtem Vorstellungen und Bildern, es geht um ein Still-werden, das uns langsam durchdringt und uns bis in unsere tiefste Tiefe erfasst. Jede Gebärde wird von dieser göttlichen Stille erfüllt, bis sie diese Stille selber ist.

Ich habe das Gefäß meines Herzens in diese schweigende Stunde getaucht.

Es hat sich mit Liebe gefüllt. (R. Tagore)

Inhaltsangabe des Büchleins (PDF)

(Das Büchlein kann für 10 Euro (incl. Versand) bei mir bestellt werden:
karin-gerhard (at) arcor.de oder: Allerstr.11, 45136 Essen)