Abschied von Karin Gerhard

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Abschied von Karin Gerhard

Viele Menschen in unserer Gemeinde und darüber hinaus haben mit Bestürzung und Betroffenheit auf die Nachricht reagiert, dass Karin Gerhard nach kurzer, schwerer Krankheit am 26. Februar verstorben ist. Karin Gerhard hat unsere Kirchengemeinde seit vielen Jahren aktiv mitgeprägt. Sie war in sehr vielen Bereichen engagiert, besonders mit ihrem Angebot des Meditativen Tanzes, ihrem Engagement in der AG Glaube und Spiritualität, als Sängerin in der Kantorei und als Helferin beim Mittagstisch "satt & glücklich".

Karin Gerhard, geboren am 15. April 1942, leitete von 1974 bis 2004 das Dore-Jacobs-Berufskolleg in Essen. Sie hatte die Schule und das pädagogische Werk von der Gründerin Dore Jacobs übernommen und entwickelte es mit eigenen Ideen und großem Engagement weiter – getragen von der Vision, junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten und zu stärken.

Ihre spirituelle Heimat fand sie bei Willigis Jäger am Benediktushof, einem Zentrum für Meditation und Achtsamkeit. In der Johanneskirche war die AG Glaube und Spiritualität, die Karin Gerhard 2012 mitgründete, ein Ort, der es ermöglichte, ihren immensen inneren Reichtum, ihre Erfahrungen zu Kontemplation und Herzensgebet und ihr Wissen zu teilen. Alle Frauen in der Gruppe schätzten ganz besonders die Stille, die Karin Gerhard mit Texten und einer kleinen Klangschale vorbereitete und durchführte. Sie brachte vielfältige Themen ein, wobei sie auf ihre große Büchersammlung zu spirituellen und religiösen Themen zurückgreifen konnte.

Karin Gerhard verstand es, das, was sie am Benediktushof lernte, mit großer Begeisterung in die Kirchengemeinde einzubringen. Sie traf auf Pfarrerinnen und Pfarrer, die sie sehr schätzten und ein offenes Ohr hatten. Es gelang ihr, Widersprüchlichkeiten auszuhalten und manche Enttäuschung hinzunehmen und daraus Neues entstehen zu lassen. So war es ihr beispielsweise immer ein Anliegen, eine längere Zeit der Stille im Gottesdienst zu verankern, über die „richtige“ Länge konnte sie leidenschaftlich diskutieren.

Karin Gerhard entwickelte auch das Angebot des Meditativen Tanzes in der Johanneskirche. Für jedes Treffen wählte sie ein Thema, suchte die Texte und die Musik sorgfältig aus und gestaltete die dazu passenden Tanzbewegungen. Die gemeinsame Zeit war ein äußeres und inneres Erleben. Es brachte neue Zugewandtheit zum Leben, auch bei den anschließenden Nachgesprächen.

Ob bei der Auseinandersetzung mit dem Glaubensbekenntnis oder der Ausstellung über Frauen der Reformation – Karin Gerhard bedachte Themen immer kritisch, gründlich und liebevoll. Sie nahm sich Zeit, Sachverhalte in ihrer Tiefe und Mehrdimensionalität zu verstehen. Sie war vielseitig, immer am Leben und an Menschen interessiert. Aus der Vergangenheit zu lernen und im Hier und Jetzt zu leben, war ihr wichtig.

Über viele Jahre fühlte sich Karin Gerhard in der Kantorei als weiblicher Tenor wohler als im Alt oder Sopran und gestaltete unzählige Konzerte mit. Als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für den Mittagstisch „satt & glücklich“ gesucht wurden, sagte sie ebenfalls schnell „Ja“. Sie packte mit an, aber sie genoss auch die Gespräche an den Tischen, denn Beziehungen waren ihr wichtig. Sie brachte viel Empathie mit und spürte kleinste Schwingungen in Gesprächen. In Erinnerung bleiben wird, wie sie Menschen begrüßte, mit großer Freundlichkeit in den Augen und einer herzlichen, langen Umarmung.

Karin Gerhard konnte wunderbar zuhören, Mut zusprechen und Hoffnung geben. Sie setzte sich oft ein für Menschen, die Hilfe nötig hatten, und brachte Dinge voran. Das bewies sie zum Beispiel als ehrenamtliche Helferin in der Flüchtlingshilfe, wo sie sich ab 2016 intensiv um eine Frau und ihren Sohn aus Armenien kümmerte. Zuletzt hatte sie sich sehr gefreut, dass die Alte Synagoge mit der Dore-Jacobs-Ausstellung „Sich bewegen lernen, heißt leben lernen“, die sie mit vorbereiten durfte, zu einem FrauenOrt NRW geworden ist. Bei einer Trauerfeier am 24. März haben wir uns von Karin Gerhard verabschiedet. Auch viele Ehemalige des Dore-Jacobs-Berufskollegs waren gekommen. Die volle Johanneskirche zeigte eindrücklich, dass Karin Gerhard in den Herzen ganz vieler Menschen weiterleben wird.

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