29/06/2026 0 Kommentare
Friedensethik: Die Debatte geht weiter
Friedensethik: Die Debatte geht weiter
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Friedensethik: Die Debatte geht weiter
Im Mai haben wir beim Bergerhauser Dialog engagiert über die neue Friedensdenkschrift der EKD diskutiert. Danach bekamen wir noch viel Resonanz zu diesem intensiven Abend mit Dr. Martin Dutzmann.
Annette Nesselhauf, Multiplikatorin der Initiative „Sicherheit neu denken", hat uns die folgende Informationen zur weiteren Debatte um die Friedensethik zusammengestellt:
Hinweis auf die ökumenische Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“
Anfang November 2025 stellte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) der Öffentlichkeit die Denkschrift „Welt in Unordnung“ vor – eine Veröffentlichung zu den Themen Krieg und Frieden. Seitdem hält die Kritik aus kirchlichen Initiativen, der Publizistik, der Friedensbewegung, der Wissenschaft und der christlichen Basis unvermindert an.
Ein wichtiger Beitrag zu dieser Debatte ist die ökumenische Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“. Die vier Autor:innen – Ralf Becker (Koordinator der Initiative Sicherheit neu denken), Dr. phil. Theodor Ziegler (Religionspädagoge, Mitglied des SND-Koordinierungskreises), Karen Hinrichs (Theologin, ehem. Leiterin des Friedensinstituts Freiburg) und Prof. Dr. Dr. Heinrich Wilhelm Schäfer (Theologe) – haben diese Schrift im Auftrag eines 60-köpfigen Plenums aus dem Umfeld des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie erarbeitet.

Die Kernaussagen im Überblick:
- Friedenslogik statt Sicherheitslogik: Statt Sicherheit durch Aufrüstung und Abschreckung gegenüber einem Feind zu suchen (Sicherheitslogik), plädiert die Schrift für die Herstellung von Sicherheit zusammen mit dem Partner – durch Dialog, zivile Konfliktbearbeitung und Gerechtigkeit (Friedenslogik).
- Kompatibilität von Bibel und Wissenschaft: Die Empfehlungen der Bergpredigt (wie Selbstkritik, Feindesliebe und die Goldene Regel) werden nicht als weltfremde Gebote verstanden, sondern als handlungsorientierte „regulative Ideen“, die mit modernen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen der Friedens- und Konfliktforschung übereinstimmen.
- Selbstkritik als diplomatisches Werkzeug: Das biblische Bild vom „Balken im eigenen Auge“ fordert dazu auf, die eigene Mitverantwortung an Eskalationsprozessen – beispielhaft analysiert am Ukrainekrieg und der NATO-Osterweiterung – anzuerkennen. Dies soll Verhandlungsspielräume eröffnen.
- Mandat der Kirchen: Die Kirchen werden aufgefordert, als „Friedenskirchen“ klar für Abrüstung, den Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag und die Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern einzutreten.
Die Friedensschrift wurde am 5. Juni in einer Online-Präsentation mit folgenden Gästen vorgestellt: Dr. Margot Käßmann (Theologin, u. a ehem. Vorsitzende des Rates der EKD, Autorin), Prof. Dr. Konrad Raiser (ehem. Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen), Prof. Dr. Fernando Enns (Mennonit, Leiter der Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen, Universität Hamburg) Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach, Politologin, Autorin des Buches Friedenslogik und PD Stefan Silber (kath. Theologe). Sie war mit 150 Teilnehmer:innen gut besucht.
Herzliche Einladung:
Donnerstag, 2. Juli 2026, 19Uhr Marktkirche
Richtungsstreit in der Kirche - "Kriegstüchtig oder friedenlogisch"
mit folgenden Gästen auf dem Podium: Dr. Thorsten Latzel, Präses der ev. Kirche im Rheinland, Düsseldorf Militärdekan Dr. Roger Mielke, Koblenz Dr. Angelika Claußen, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Co-Vorsitzende der IPPNW Bielefeld Moderation: Christoph Fleischmann, Publik forum
Die Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus November 2025 entfacht kontroverse Diskussionen und Fragen, etwa: Soll die Kirche die politischen Vorgaben mittragen oder ihnen (auch) widersprechen? Ist ein Präventivkrieg erlaubt, gibt es den „Gerechten Krieg“? Wie steht die Kirche – politisch und ethisch – zum Besitz von Massenvernichtungswaffen? Sichert uns der Glaube „Je mehr wir uns auf den Krieg vorbereiten, umso mehr verhindern wir ihn“, wirklich den Frieden? Woran glauben wir eigentlich? Sollen die Kirchen in den „Operationsplan Deutschland“ eingebunden sein? Was sind Wege einer Kriegstüchtigkeit und Wege einer Friedenslogik? Diese Fragen wollen wir von verschiedenen Standpunkten aus beleuchten und gemeinsam diskutieren.
Mittwoch, 14. Oktober 2026, 19:30 Uhr im Weigle-Haus
Die Friedensdenkschrift der EKD (2025) - und was würde Jesus dazu sagen?
In diesem Rahmen stellt Ralf Becker, Koordinator der Initiative "Sicherheit neu denken“, die ökumenische Friedensschrift: Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ vor.
Weitere Informationsmöglichkeiten:
- Download der Friedensschrift: https://pub.uni-bielefeld.de/download/3017123/3017124/.Oekumenische-Friedenschrift-2026.pdf
- Oder als Broschüre für 7,99 € zu bestellen unter https://buchshop.bod.de/wer-frieden-will-muss-mit-dem-feind-reden-ralf-becker-9783696398255
- Buch Friedenslogik von Hanne–Margret Birckenbach https://www.wochenschau-verlag...

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